Allium ursinum L. Bärlauch

Verwechslungen und Vergiftungen

Seid einigen Jahren gehört der Bärlauch wieder zu den "Modepflanzen". Bärlauch essen ist chic. Jeden Frühling wird viel über Bärlauch geschrieben und man kann bald überall von Bärlauchwurst bis Bärlauchsüssigkeiten alles käuflich erwerben. Jedes Jahr wiederholen sich Vergiftungsunfälle welche nicht selten tödlich ausgehen. Es werden vor allem zwei andere Pflanzen für Bärlauch gehalten:

Das Maiglöckchen, Convallaria majalis

[Foto] Maiglöckchen Das Maiglöckchen bringt erstmal auch nur die Blätter heraus und erst später die Blüten; woran wir die Blume als Maiglöckchen erkennen. Zwar wächst das Gewächs vorwiegend in Gärten, ist aber auch im Wald anzutreffen.

Das Maiglöckchen enthält bis zu 0,7% Herz- Glykoside (Cardenolide). Hauptglykoside sind die k-Strophantidin-Abkömmlinge Convallatoxin und Convallosid, wobei letzteres zusätzlich noch eine Glucose-Einheit trägt.  Die Glykoside des Maiglöckchens werden im Magen-Darm-Trakt nur schlecht resorbiert, so daß die Vergiftungsgefahr bei oraler Aufnahme eher gering ist. Vergiftungen durch Einnahme von Maiglöckchenblätter führen zu Herzklopfen bis Herzrasen, Ödeme, Durchfall und Erbrechen, Atemnot, zerebrale Durchblutungsstörungen, Kreislaufkollaps, Herzstillstand.

Tödliche Vergiftungen sind glücklicherweise sehr selten. Erste Hilfe: Giftentfernung, Medizinische Kohle einnehmen, sofort zum Arzt!

Herbstzeitlose, Colchicum autumnale

[Foto] Herbszeitlose

Die zweite Pflanze welche zu einer verhängnisvollen Verwechslung von Bärlauch fühtrn kann, ist die hochgiftige Herbstzeitlose Colchicum autumnale.

Die Herbstzeitlose blüht, ihr Name vorwegnimmt, im Herbst. Dann, gegen Anfang April, wachsen die Blätter. Kurz nach dem Bärlauch, welcher oft schon Mitte April austreibt. Die Blätter der Herbstzeitlose sind etwas fleischig und ähneln dem Laub der Tulpen.

Die Herbstzeitlose enthält das Gift Colchicin.Colchicin ist Troponol- ein Alkaloid ohne basische Eigenschaften. Die ganze Pflanze ist giftig, besonders die Samen, 2-5g können schon tödlich sein. Von den Blättern führen ca. 50g für eine erwachsene Person mit 60 Kg Körpergewicht zum Tod. Also 0,8 mg/ kg Körpergewicht 100% Letal!

Die ersten Symptome der Vergiftung beginnen erst nach zwei bis sechs Stunden. Erst kommt es zu Schluckbeschwerden und zu Kratzen und Brennen im Mund und Rachen. Es stellen sich Erbrechen, Krämpfe und blutige Durchfälle ein. Es ereignet sich eine Kreislaufschädigung, die Temperatur und der Blutdruck fallen ab. Nach ein bis zwei Tagen tritt dann der Tod durch Atemlähmung ein. Der Patient bleibt bis am Schluss bei vollem Bewusstsein. Colchicin ist ein Zellgift.

Erste Hilfe: Giftentfernung, sofort ins Spital! Das Haubtproblem bei Colchicin Vergiftungen, ist das späte Eintreten der Symptome. Zu diesem Zeitpunkt ist meistens das Gift schon ganz absorbiert. Symptomatische Therapie: Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, Kreislaufstützung, Atropin gegen Darmkrämpfe, Diazepam gegen Schüttelkrämpfe, Krampfanfälle (Konvulsionen), künstliche Beatmung. Opiumpräparate, da Colchicin über den Darm ausgeschieden wird.

Es gibt noch eine dritte Verwechslung, welche aber nicht lebensbedrohlich ist. Es ist eine Verwechslung, welche auch dem geübten Sammler unterlaufen kann, wenn er nicht wachsam ist.

Der Aronstab, Arum Maculatum

Der Aronstab ist ein guter Freund des Bärlauchs und nicht selten, bilden die zwei zusammen Wohngemeinschaften. Wenn die Blätter des Aronstabes noch jung sind und unter den Blättern des Bärlauches heranwachsen, können sie auch mal gleich aussehen wie Bärlauch. Erst später bekommen sie dann ihre typische dreieckige Form. Aronstab ist das schärfste was die Natur zu bieten hat. Er ist so scharf, dass er uns gleich die Schleimhäute verbrennt, wenn er sich inkognito unter ein Bärlauchgericht mischt. Er ist zehntausendmal schärfer als Pfeffer. Ein Blatt vom Aronstab kann schon eine ganze Schüssel voll Bärlauch ungeniessbar machen.

Alle drei Pflanzen welche ich Ihnen über Verwechslung mit Bärlauch beschrieben habe, sind ihrerseits Heilpflanzen. Sie werden aber wegen ihrer Giftigkeit in erster Linie als Homöopatische und Spagyrische Heilmittel gebraucht.

Bei Vergiftungsverdacht wenn möglich die Pflanze mitbringen und sofort ins Spital!

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